ForumFamilie 2010

ForumFamilie 2010

03.05.2010 – Am 29. April 2010 fand das ForumFamile 2010 im historischen Rathaus Köln statt, zudem das Bündnis für Familie eingeladen hatte. Zu dem Thema „Was brauchen unsere Kinder? Ganztag in NRW – zwischen Aufbewahrung und Bildungsanspruch!“ sprachen Herr Oberbürgermeister Roters, Herr Stranz (Geschäftsführer der Vereinigung der Waldorfkindergärten NRW), Frau Dr. Kleinen (Landschaftsverband Rheinland) und Herr Kascha (Paritätisches Jugendwerk NRW). Nach den Vorträgen wurde in drei Gruppen (Vorschualter, Primarbereich und Sekundarstufe I) diskutiert und Forderungen an die Politik formuliert, welche im Anschluss an die Arbeitskreise den PolitikerInnen (Herr Dr. Albach/ FDP, Frau Asch/ Bündnis 90 die Grünen, Frau Dr. Butterwegge/ die Linke und Frau Hack/ SPD) vorgebracht und zur Diskussion gestellt wurden.

Auszüge aus der Rede von Herrn Oberbürgermeister Roters

Einfluss auf die Landespolitik:
Die Kommunen müssen sich, im Hinblick auf ihre Gesamtverantwortung für ihre EinwohnerInnen mit Verbesserungsvorschlägen in die Bildungspolitik einbringen und Einfluss auf den Gesetzgeber nehmen.
Oberbürgermeister Roters versichert, dass Rat und Verwaltung dieser Stadt diese Aufgabe auf allen ihnen zur Verfügung stehenden Wegen wahr und ernst nehmen.

Kommunalpolitik:
In den Bereichen, in denen es notwendig erscheint, müssen wir als Stadt selbst mit eigenen Projekten und Programmen aktiv werden. Z.B. Die Ausgestaltung der Schulsozialarbeit.

Engagement über das festgesetzte Maß hinaus:
Trotz der massiven Finanzierungsprobleme und der sich daraus ergebenden engen Grenze ist es in Köln gelungen für ca. 23 % der Unterdreijährigen Bereuungsplätze zur Verfügung stellen zu können und diese sollen noch auf 40 % ausgebaut werden. Die Offene Ganztagsschule (OGS) bietet 18.800 Betreuungsplatze, sodass jedes zweite Kind am Nachmittag betreut werden kann.

Ganztagsschulen:
54 von 113 Schulen der Sekundarstufe I sind bereits Ganztagsschulen. Bezogen auf die Schülerzahlen in den Eingangsklassen bedeutet dies einen Versorgungsgrad von ca. 57 % ab dem Schuljahr 2010/11.

Nachfrageproblem:
Der dringende weitere Ausbau kann, im Hinblick auf die bundesweit dramatische Finanzsituation der Kommunen, kaum in erforderlichem Tempo fortgesetzt werden.

Ziel:
Das Ziel muss sein, ein Bildungssystem zu schaffen, das die Wachstums- und Entwicklungsinteressen jedes einzelnen Kindes berücksichtigt.


Gerhard Stranz: Elementarpädagogik vom Kinde aus – mit dem KiBiz?

Die Themenstellung des Forums bietet eine hervorragende Gelegenheit, die tatsächliche Bedarfslage eines Kindes mit seiner Familie für angemessene Angebote im Bereich der Elementarpädagogik zu betrachten. Bei der Gestaltung von Förderangeboten kommt es darauf an, dass nicht die Menge des Wissens beherrscht wird, sondern eine angemessene Haltung im Umgang mit dem Wissen, Einordnungs- und Bewertungsmaßstäbe entwickelt werden. Bildung ist mehr als Lernen, beginnt bereits vor der Geburt und endet nie. Die Grundbedürfnisse von Kindern müssen erfüllt werden, aber vor allem müssen Entwicklungsräume in verlässlichen Beziehungen bereitgestellt werden. Die Rechte der Kinder und ihrer Eltern sind garantiert und müssen in ihrer Umsetzung auch berücksichtigt werden. Die bisherigen Regelungen des Kinderbildungsgesetzes beinhalten Zielvorgaben, die unter den geschaffenen Rahmen Bedingungen nicht erfüllt werden. Die grundlegende Ausrichtung des Gesetzes, aber auch vielfältige Details bedürfen der Veränderung. Eine am Bedarf der Kinder und ihren Familien orientierte Bildungspolitik verlangt eine nachhaltige Förderung auch über Legislaturperioden hinaus, in einem Bündnis für Bildung.

Dr. Karin Kleinen: „Beste Bildung“ in der offenen Ganztagsschule im Primarbereich in NRW – Realistische Utopien

Mädchen und Jugend sind Gestalter ihrer je eigenen Bildungsprozesse: Dabei brauchen sie Bildungserlebnisse in verschiedenen Dimensionen (kulturell, sozial und dinglich), andere Kinder und genügend Raum und Zeit mit ihnen zu spielen, zu lernen und zu arbeiten und Erwachsene die ihnen etwas zutrauen.

Bildungswelt Familie oder Mütter und Väter als die (über lange Zeit) wichtigsten Bezugs- und Vertrauenspersonen und ExpertInnen für ihre Kinder: Die OGS unterstützt und entlastet die Eltern und baut durch Informationen, Beratungen und Mitspracherecht der Eltern ein Vertrauensverhältnis auf.

LehrerInnen – Erziehungs- und BildungspartnerInnen der Eltern, Lernbegleiter der Kinder: Lernen im eigenen Tempo in offener Unterrichtsarbeit (Wochenplan, Lernwerkstätten, Projektwochen), Informierung der Eltern über Strukturen und Praktiken der Schule in der Herkunftssprache und Ermöglichung der Einflussnahme der Eltern.

Die Jugendhilfe und andere Partner in der OGS – „Türöffner“ für neue Bildungserlebnisse der Mädchen und Jungen: Die Jugendhilfe eröffnet den Kindern neue Lern- und Erfahrungsfelder, legt großen Wert auf Individualität, Freiwilligkeit, Selbstständigkeit und Partizipation im Zusammenhang mit unmittelbarer Erfahrung.

Die Kommunen – zentraler Lebensort der Kinder und ihrer Familien: Ziel ist es die Bildungschancen für alle Kinder zu erhöhen. Sie übernimmt die systematische zielführende Steuerung, Verantwortung für die Qualitätsentwicklung und setzt Standards fest. Sie gibt Planungssicherheit und sorgt für die notwendigen Rahmenbedingungen.

Die Rahmenkompetenz des Landes oder brauchen wir landesweite Qualitätsstandards für die OGS? Keine Festlegung von Standards durch das Land ergeben erhebliche Qualitätsunterschiede in den Städten und Regionen, Regelungen und Evaluationen helfen den Einsatz von LehrerInnen in außerunterrichtlichen Angeboten zu fördern.

 

Rainer Kascha: Entwicklungsräume und Beteiligungsmöglichkeiten für heranwachsende in der Sekundarstufe I

Mädchen und Jungen: Durch das Ganztagssystem verstärkt sich das „Geländer für ein gelingendes Aufwachsen“ und ermöglicht den Eltern, insbesondere den Müttern, eine regelmäßige Erwerbstätigkeit zu ergreifen. Dieses „Geländer“ darf sich jedoch nicht zu einem „Zwangskorsett“ entwickeln, Kindern und Jugendlichen muss die Möglichkeit zur Beteiligung und Mitgestaltung des Schullebens, als Teil der Demokratieerziehung gegeben werden. Sie brauchen einen Mix aus kognitivem Lernen im Unterricht, Bewegung, Anreize zur Selbstgestaltung und freie Gestaltungszeit. Zentrale Kategorien der Bildung sind „Autonomiegewinn und Selbstentfaltungsmöglichkeiten“.

Eltern: Eine ausgewogene Ernährung ist das A und O einer Ganztagsschule, ein „Schulgeld durch die Hintertür muss jedoch auf jeden Fall vermieden werden. So muss das Programm „Kein Kind ohne Mahlzeit“ zu einer beitragsfreien Mahlzeit für jedes Kind weiterentwickelt werden. Zum pädagogischen Selbstverständnis sollte gehören, dass es zwischen Lehrern und Eltern Kontaktangebote gibt, die bis zum Hausbesuch führen. Ziel der Ganztagsschule muss sein, die hohe Zahl der „Bildungsverlierer“ zu reduzieren und zu verhindern, dass die soziale Herkunft weiterhin so massiv über den Schulerfolg entscheidet.

Vernetzung zwischen Schule und Bildungspartnern: Ganztagsbildung erfordert ein Netzwerk von verschiedenen Lernorten in einer Kommune oder einem Stadtbezirk. Dazu ist es erforderlich die non-formalen und formalen Bildungseinrichtungen zu vernetzen. Um die Bildungsbenachteiligung durch die Herkunft, aber auch die drohende Benachteiligung durch den Wohnort auszugleichen, bedarf es einer starken Steuerung durch das Land.

 

Forderung der Arbeitskreise und Antworten der Politiker

AK 1) Vorschulalter – Kinderbildungsgesetz in NRW
Bessere Personalschlüssel und kleinere Gruppen!

Ingrid Hack (SPD): Die Kinderpauschale muss erhöht werden, das wurde Fraktionsübergreifend bereits in der Enquete Kommission „Chancen für Kinder“ beschlossen. Mehr Männer müssen diesen Beruf ausüben. Generell muss es eine Aufwertung der Arbeit und Ausbildung von Erziehern geben. Beispielsweise durch bessere Bezahlung, aber auch durch Angleichung des Berufstands an den des Gymnasialstudienrates.

Dr. Rolf Albach (FDP): Der Bewusstseinswandel den Kindergarten als Lernort zu sehen muss unterstützt werden.

Andrea Asch (die Grünen): Das KiBiz stellt nicht die Bedarfe der Kinder dar. Die Qualität und das Personal hängen vom Wahlverhalten der Eltern ab, wo sie ihr Kind in den Kindergarten schicken. Die Elementarbildung von Kindern fand schon immer in der KiTa statt und nicht erst seit heute. Der Personalschlüssel muss verbessert werden, das KiBiz hat jedoch das Gegenteil gefördert.

Dr. Caronlin Butterwegge (die Linke): Der elementare Bildungsbereich erfährt eine geringe Wetschätzung in der Gesellschaft, das spiegelt auch das Bild der Gehälter wider. Generell muss mehr in die Bildung investiert werden. Es muss ein neues Gesetz entwickelt werden, wo die Eltern beteiligt sind und indem Sprachentwicklung, aber auch Hauswirtschaft festgelegt werden. Die Gewerkschaft Ver.di hat bereits eines vorgelegt.

AK 2) Offene Ganztgsschule im Primarbereich
Standard = gesicherte Finanzierung des Personals, der Ausstattung, der Förderung und der Sachkosten!

Dr. Carolin Butterwegge: Es muss eine verlässliche Finanzierung und einen sicheren Personalschlüsselgeben.

Dr. Rolf Albach: Es muss ein Netwerk von Möglichkeiten geschaffen werden, der Unterricht auch außerhalb des Klassenzimmers zulässt. Geld muss indizierte werden. Mehr Engagement und Personal für unsere Kinder.

Andrea Asch: Die Finanzierung der OGS sind seit ihrer Einführung vor 7 Jahren nicht mehr verändert worden. Es gibt in der Politik einen Konsens darüber, dass es OGS geben muss. Aber die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule muss besser werden. Das bedeutet aber auch, dass mehr Geld fließen muss. Hausaufgaben sind in einer GGS nicht mehr nötig (Vorweg war eine längere Diskussion entstanden, ob Hausaufgaben generell nötig sind).

Ingrid Hack: Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch. Standards müssen vom Land gesetzt werden. Der Landeszuschuss für die OGS muss angepasst werden. Pädagogen und Lehrer müssen zusammenarbeiten, momentan entsteht nur der Eindruck, die Schule sauge die Jugendhilfe aus, doch dieses Dilemma ergibt sich nur daraus, dass die Schulen zu wenig eigene Ressourcen haben.

Einwurf aus dem AK: Mein Kind hat einen U3 Platz und ich kann früher wieder in den Beruf einsteigen, aber dann kommt es auf die Schule und bekommt wohlmöglich keinen Ganztagsplatz, dann muss ich meinem Arbeitgeber nach 3-4 Jahren sagen, ich kann leider doch nicht mehr arbeiten!

Dr. Carolin Butterwegge: Es muss verlässliche kostenfreie Strukturen geben.

Dr. Rolf Albach: Wichtig ist wer nachmittags in der Schule arbeitet und dass das auch anerkannt wird. Ist gegen GGS, diese soll nur als Angebot bestehen.

Andrea Asch: Es muss mehr Landes- aber auch Bundesmittel für die OGS geben, mangelnde Ressourcen in der Schule führen dazu, dass sich die Jugendhilfe ausgelaugt fühlt. Kostenloses Mittagessen in KiTa und Schule ist Mindeststandard.

Ingrid Hack: Die Bundeskassen profitieren davon, wenn die Eltern arbeiten gehen und nicht die Kommunen. Großes Problem, dass viele OGS-Kinder mit der Situation überfordert sind, da muss sich etwas tun.

AK 3) Entwicklungsräume und Beteiligungsmöglichkeiten in der Sekundarstufe I

Andrea Asch: Die Drittelparität bei Schulkonferenzen muss wieder hergestellt werden, hier ist die Möglichkeit der Partizipation. Es muss ein verbindliches Ganztagssystem geben. Die G-8 Umsetzung war miserabel = die Schulen waren nicht vorbereitet, der Schulplan war nicht gut etc. G-8 muss es als Wahlmöglichkeit geben, nicht als Pflicht.

Dr. Rolf Albach: Ganztagsschule als Wahlmöglichkeit, ebenso wie G-8. Das funktioniert aber nur in Köln, denn hier sind genügend Gymnasien vorhanden, in kleineren Städten ist das nicht umzusetzen. Den Auslandsaufenthalt den viele früher in der 11. Klasse machten soll lieber nach der Schule gemacht werden.

Dr. Carolin Butterwegge: Eltern müssen stärker beteiligt werden (Drittelparität). Teilumwandlung der GGS in Ganztag und nicht Ganztag schwierig, eher regional GGS oder OGS anbieten. G-8 muss zurück genommen werden.

Ingrid Hack: G-8 aber auch G-9 muss möglich sein. GGS nicht unumstritten auch wegen der Verbandsarbeit, Lösung durch einen freien Nachmittag möglich. Die Drittelparität muss wieder eingeführt werden.